Dienstag, 5. Januar 2021

Wacker auf den Aufacker

Die erste Bergtour des hoffentlich für uns alle guten und gesunden Jahres 2021 führte uns nach Oberammergau. Entgegen den reißerischen Zeitungsmeldungen der oberbayrischen Provinzpresse über einen angeblichen Massenansturm der Großstädter auf die Alpen finden wir den WellenBerg Parkplatz (5€/Tag) in Oberammergau völlig verwaist vor. Und auch der Aufstieg zum Großen Aufacker gestaltete sich eher einsam, - lediglich eine große Wanderfamilie mit wacker steigenden Kindern begleitete uns in Corona-kompatiblem Abstand auf dem ziemlich vereisten Pfad.


Ab 1200m Höhe ist es kalt genug für schönen dicken Raureif auf den Pflanzen. So wird die Wanderung selbst ohne die von wetteronline.de versprochene Sonne zum Wow-Erlebnis.


Der Aufstieg kennt keine Umwege und im stetigen, steilen Bergauf ist bald der Gipfel erreicht. Zum Glück reißen die Wolken kurz auf und geben den Blick frei aufs Wetterstein mit der Zugspitze und hinüber nach Westen zu den höheren Gipfeln der Ammergauer Alpen.



Kurz sind wir hier oben alleine mit unserem leckeren Vesper mit Südtiroler Speck und Käse, und heißem Tee aus der Thermoskanne, bevor uns die Kinder wieder lautstark unterhalten.

Auf dem Grossen Aufacker

Beim langen, aber auch bequemen Abstieg zur Romanshöhe sind wir völlig alleine unterwegs, erst beim Altherrenweg (nomen est omen) tummeln sich gefühlt zu viele Spaziergänger.


Oberammergau

Etwas über 4 Stunden haben wir für die nette Runde benötigt, bevor es unkompliziert und staufrei wieder flott heim nach München ging.

PS: die Fotos des Winters 2021 findet ihr in diesem 🔗 Album.

Freitag, 1. Januar 2021

Ein glückliches und gesundes 2021!

 


Das sehr ungewöhnliche Corona-Jahr 2020 ist nun Geschichte, und die Hoffnungen gross, dass die anstehenden Impfungen uns Kultur und Reisen wieder zurück geben. Rückblickend hatten wir trotz aller Beschränkungen viel neues erlebt und gesehen, selbst beim häufigen Joggen ums home office.

Aber auch etliche Bergwanderungen auf eher einsame Gipfel waren im Herbst möglich.

🔗 Herbstwanderungen

Der Höhepunkt des Reisejahres 2020 war der vierwöchige Campingausflug zu den Nationalparks von Schweden. Mit dem Betreten der Fähre Kiel-Göteborg bis zur Überfahrt Trelleborg-Rostock war Corona scheinbar vergessen, ohne Maske und ohne Einschränkungen in Restaurants, Hotels und Campingplätzen. So war es nicht nur ein Urlaub weit weg von der teilweise stressigen Arbeit, sondern auch von der Epidemie.

🔗 Schwedenbilder und -Tagebuch


Freitag, 20. März 2020

Sonntag, 17. Februar 2019

Kaiserwetter am Spitzstein

Dank rechtzeitigem Aufbruch erwischen wir den allerletzten Platz auf dem Wanderparkplatz "Spitzstein" (€2) in Sachrang. Zusammen mit gefühlt 1000 anderen Schneeschuhwanderern und Skitourengehern starten wir durch's enge Tal der Prien bevor die Spur durch lichten Wald und kleine Almwiesen zur Steinmoosalm hochzieht.

Die Aussicht auf's gegenüberliegende Kaisergebirge ist grandios, auch sieht man schön auf den Walchseer Heuberg, den wir vor zwei Wochen erfolglos angegangen sind. Dort hatten wir zunächst das Auto mit den Lawinenschaufeln eine Stunde lang aus dem tiefen Schnee gegraben, in den ich es bei einem missglücktem Wendemanöver versenkt hatte, und dann weiter oben hatten die Skistiefel derart gedrückt, dass wir trotz allerbester Bedingungen auf halber Strecke umgekehrt sind. Heute sollte alles besser werden, das Auto steht sicher und die Stiefel wurden etwas in Form gebacken...



Ungefähr 200Hm unterhalb des Spitzsteins steilt der Weg auf und führt in einen dichteren Wald. Teilweise ist die Spur noch hart gefroren und trotz der neuen Felle rutschen wir etliche Male wieder rückwärts Richtung Tal 😒 Harscheisen könnten hier helfen.


Trotzdem stehen wir bald auf dem Gipfel mit seiner beeindruckenden Rundumsicht. Ganz einsam ist es dort nicht, aber das war ja bei dem herrlichen Wetter mit frühlingshaften Temperaturen und der weit überdurchschnittlichen Schneemenge auch nicht anders zu erwarten. Im Norden grüsst der Chiemsee und im Süden der Alpenhauptkamm bei einer Sichtweite von gut 150km.


Nach einer ausgiebigen Gipfelrast mit Johannisbeerschorle und Frucht- und Müsliriegel schnallen wir die Ski an und stürzen uns steil hinunter durch den Wald. Zum Glück hat es weiter Aufgefirnt und so macht die Abfahrt mit den neuen Skiern (Vertical Bear von Dynastar) zum Spitzsteinhaus richtig Spass. Einzig die in Abfahrtstellung immernoch drückenden Schuhe sind weiterhin ein ungelöstes Ärgernis.


Mit einem erfrischenden Radler in Kopf und Bauch schwingen wir lustig durch schöne, weite Wiesen hinunter in den Graben der Prien, und von dort leicht bergab querend nach Osten zum Weiler Mitterleiten. Hier müssen wir mühsam noch einen 40Hm Gegenanstieg hochtreppeln bevor wir nochmals ein paar schöne weite Schwünge bis fast hinunter zum Parkplatz geniessen können.

~Günter

Alle Fotos des Winters gibt es auf Google Photos, ebenso wie die blog-technisch vernachlässigten Ausflüge im Herbst nach Ramsau und nach Washington DC.


Samstag, 6. Oktober 2018

Gamsknogel mit Hindernissen

Nach Abschluss unseres Projekts 3 x 6.000 = 2x018 mit je drei Hochtouren in Chile und in Ladakh fahren wir heute in die Spielzeugwelt der Chiemgauer Alpen. Sehr idyllisch startet die Wanderung am Forsthaus Adlgass hinauf zum Gamsknogel. Doch bald bremst uns eine Absperrung mit der Bemerkung "Forstarbeiten - Lebensgefahr" aus, kurz darauf gefolgt von einer Holzabfuhrschneise mit sehr gefährlichen Drahtseilen. Ganz umkehren wollen wir nicht und so keuchen wir in gerader Linie den lichten Bergwald hinauf, immer in sicherem Abstand zu der Baumfällzone. Dank GPS finden wir kurz vor den Felsen wieder den Wanderweg "Zwieselsteig" und können problemlos in die Scharte zwischen Zwiesel und Gamsknogel hochsteigen, immer mit herrlicher Aussicht hinaus ins Alpenvorland.

Frillensee

Salzburg und der Hochstaufen
In der Scharte wenden wir uns nach rechts, und kurz darauf erwartet uns eine kleine, sehr einfache aber anregende Kraxelei über den Grat hinauf zum Gamsknogel.


Der 360° Blick vom nur 1750m hohen Gipfel ist sehr beeindruckend, insbesondere nach Südosten auf Watzmann, Steinplatte und die Loferer Steinberge. Im Nordwesten zeigen sich der Wilde und Zahme Kaiser, und natürlich das Bayerische Meer, der Chiemsee.



Lange bleiben wir auf dem schwach besuchtem Gipfel in der Herbstsonne sitzen und geniessen unser Vesperbrot bevor es über die herrlich gelegene Kohleralm wieder ins Tal geht.


Leider müssen wir auch hier auf kleine Pfadspuren im teilweise recht steilen Bergwald ausweichen, um die erstaunlich grossräumigen Forstarbeiten zu umgehen.So erreichen wir etwas später als geplant das Forsthaus Adlgass, wo uns die nette Bedienung im herrlichen Wirtsgarten (nach etwas Wartezeit) lecker Bier, Sülze und Bratkartoffeln serviert. So gestärkt lässt sich auch der übliche Stau (+15min) auf der A8 ohne allzugrossen Groll überstehen 😊


Montag, 20. August 2018

Mittwochs auf Sonntagshorn, und am Sonntag von hinten auf den Bischof

Am Mariahimmelfahrtsmittwoch ruft das Sonntagshorn, der höchste Berg der Chiemgauer Alpen. Beim frühmorgendlichen Start in München ist über uns keine Wolke zu sehen und die Wetterprognose für Rosenheim ist hervorragend. Als es dann am Chiemsee aus allen Kübeln schüttet, kühlt auf dem Beifahrersitz die Begeisterung für die Bergtour auf die fast schon frostige Aussentemperatur ab.

Zum Glück ist das Regengebiet schnell durchfahren, die Heizung liefert tropische Wärme im Auto, und als wir die Mountainbikes auf dem kostenlosen Parkplatz des Holzknechtmuseums Ruhpolding auspacken, sieht das Wetter schon fast gut aus. Auf den ersten drei flachen Kilometern bis zur Schwarzachenalm kürzt das Radl ganz erheblich die eh schon längliche Wanderung ab. Schon bald geht es weiter zu Fuss hinein ins wilde Mittlere Kraxenbachtal.


Wir folgen dem Bergurwald auf einem wenig begangenen Pfad hoch in den Grossen Sand, wo wir einen ersten Blick auf den technisch anspruchsvollsten Teil der Tour werfen können. Kleine Kletterstellen im schottrigen, sehr steilen Schrofengelände mit UIAA I+ und ordentlich Luft unter den Füssen erlauben keinen Schwindel.



Vom Grat geht es nach Osten in unterhaltsamer Kraxelei auf den Gipfel mit der berühmten Aussicht. Leider ist heute das Wetter nicht wirklich gut und ein Grossteil des Panoramas ist in Wolken.


Nach der Mittagsrast queren wir den Gipfel weiter nach Osten um ins Hintere Kraxenbachtal abzusteigen. Diese Route ist technisch wesentlich einfacher wie unser Aufstieg, wobei insbesondere die Schotterabfahrt im oberen Kar die alten Knochen und Bänder schont.


Ganz hervorragend schlagen sich hier meine neuen adidas terrex swift Leichtwanderschuhe, die mit 817g/Paar gerade mal halb so schwer sind wie die alten, bewährten Lederschuhe von Lowa. Am Ende des Schotterfelds zieht der Weg durch den steilen Bergwald gefühlt unendlich lange hinab zur Schwarzachenalm. Wunderbare Wasserfälle und Bachquerungen sorgen für Abwechslung und machen den Abstieg zum Höhepunkt der Wanderung.


Dank der an der Alm deponierten Radln sind wir in wenigen Minuten zurück am Auto, das uns ohne Stau oder sonstige Hindernisse flott heim nach München fährt. Maria sei Dank.



Mit dem Bischof haben wir einen eher unscheinbaren Berg des Estergebirges für den 1350Hm Sonntagsspaziergang ausgesucht. Wesentliche Entscheidungskriterien sind der Startpunkt in Oberau, der eine staufreie Heimfahrt verspricht, und der einsame, schattige Anstieg durch die Westwand um am Morgen der Sommerhitze zu entgehen. Da sich in der Ferienzeit der Ansturm auf die Münchener Hausberge in Grenzen hält, lassen wir es gemütlich angehen und erreichen gegen 10 Uhr den Wanderparkplatz an der Loisach staulos und herrlich offen in der Morgensonne.

Zunächst verläuft die Wanderung noch einen Kilometer auf dem Loisach-Radwanderweg bevor sie nach Osten in den Bergwald hinauf abzweigt. Vorbei an einer photoscheuen Blindschleiche und vielen schönen Blumen gewinnen wir rasch an Höhe bis zur ersten verdienten Rast an der Schaf-Alm.


Dort vespern wir einen Müsliriegel und quatschen kurz mit einer Berliner Wandergruppe, die sich auf dem Abstieg von der Weilheimer Hütte befindet. Für uns geht es schweisstreibend noch weitere 1000Hm hoch, mit etwas dunstig-vernebelter Sicht nach Westen Richtung Ammergau.


Im Frickenkar queren wir unterhalb des Bischofs nach Nordosten zum Willi Berchtold Kreuz am Henneneck. Von dort zeigt sich schön der steile Aufstieg nach Süden, auf schmalem Pfad durch Fels und Latschen über die Hinterseite des Bischofs.



In einer halben Stunde sind wir auf dem Gipfel, diesmal ganz alleine mit einer herrlichen Rundumsicht auf Krottenkopf, Karwendel, Wetterstein und die Ammergauer.

Krottenkopf mit der Weilheimer Hütte

Wank und Fricken

Ein kurzer Regenschauer erfrischt uns auf dem langen Abstieg bevor wieder die Sommersonne in den glücklicherweise bewaldeten Westhang bruzelt.


Unten im Tal kündigen die ersten Herbstzeitlosen das Ende des Sommers an, doch heute machen wir nochmals das Dach auf, und lassen uns bei 160km/h heimwärts ordentlich den Kopf frei blasen.



Samstag, 4. August 2018

Aus dem Kurzen Grund auf den Schafsiedel

Trotz des angekündigten A8-Irschenberg-Inntaldreieck-Feriensamstagsstaus ist der Schafsiedel in den Kitzbüheler Alpen dank der vielen Bäche und Bergseen ein ideales Sommerwanderziel. Entgegen der Empfehlung von Google, den Stau doch einfach auszusitzen, wählen wir die etwas längliche Querfeldein-Fahrt via Bayerischzell und Kufstein, immerhin offen im Cabrio mit etwas mehr Nähe zur Natur am Strassenrand. Südlich von Kelchsau zweigen wir nach der €5 (!) Mautstelle in den Kurzen Grund ab und parken etliche Kilometer weiter im Tal am grossen Parkplatz am Alpengasthof Wegscheid.

Alpenglockenblume am Wegesrand
Von dort folgen wir dem schmalen, aber gut ausgebauten Wanderweg zur Neuen Bamberger Hütte. Der Pfad verläuft schön schattig im Bergwald und kürzt erheblich die vielen Kehren der für Mountainbikes strengstens gesperrten (warum auch immer...) Hüttenzufahrtsstrasse ab. An der Hütte erreichen wir freies Almgelände mit etlichen rauschenden Bergbächen unter dem dominanten Dristkopf.


Oberhalb der Hütte dreht der Weg nach Westen und führt über eine kleine Steilstufe hinauf zum Unteren Wildalmsee auf 1930m. Hier haben schon am Morgen ein paar potentielle Wildschwimmer ihre Hüllen fallen lassen, und nun warten sie auf ein paar robuste Sonnenstrahlen um ins kalte klare Wasser zu springen.


In weniger als einer halben Stunde sind wir am Mittleren Wildalmsee, der einen noch etwas erfrischenderen Badespass mit Aussicht verspricht.


Für uns geht es nach einer kurzen Müsliriegelpause weiter zum Oberen Wildalmsee, wo sich der unscheinbare Schafsiedel und eine kleine Schafsherde zeigen.

 
Da langsam das Mittagessen ruft steigern wir noch etwas Tempo und Schweissfluss, um möglichst flott die letzten 100 Höhenmeter zum Gipfel hochzueilen. Dieser bietet eine schöne Rundumsicht, insbesondere nach Süden auf die nahe Aleitenspitze und den heute mittag wolkenverhangenen Grossvenediger. Im Oberen Wildalmsee zieht ein Schwimmer im Wolkenschatten seine einsamen Kreise.

Gipfelsonnenanbeter

Ein einsamer Wildalmsee-Schwimmer
Beim länglichen Abstieg zeigt sich dann doch noch der mächtige Grossvenediger bevor wir an der Bamberger Hütte unser wohlverdientes Radler geniessen können. Gebadet haben wir bei der Wanderung leider gar nicht, offiziell, weil die Sonne nur ab und zu so richtig gebrezelt hat, und weil wir keine Badesachen eingepackt hatten (wider besseren Wissens), inoffiziell, weil für uns karibik-verwöhnte Warmduscher das Wasser viel zu kalt war.


Auf der Heimfahrt wollen wir noch in Österreich lokal einkaufen gehen für's Wochenende, doch leider sind hier alle Läden am Samstag schon um 18 Uhr geschlossen. So hat uns der REWE in Kiefersfelden gerettet und wir konnten am späteren Abend nach insgesamt problemloser Heimreise ein gutes Rindfleisch-Bohnen-Kartoffeln-Abendessen mit Grünem Veltliner geniessen.